Alcorisk – Das Online-ForumKategorie: Fragen von Angehörigen, Freunden, ...Wie weiter? Alkoholproblem hört nicht auf!
Anonym asked 2 Wochen ago

Grüezi
Ich habe mit jemandem zu tun, deren Mann unserer Meinung nach zu viel trinkt und dies nicht wirklich einsehen will und doch ab und zu aufhört zu trinken.
Aktuell ist seine Belastung gross. Im Job und privat. Seine Lösung um Stress zu ertragen ist Alkohol – jeden Tag. Die Menge reichen von 3 Bierchen bis hin zu 1 Flasche Wein und ein paar Bierchen. In diesem Zustand verändert er sich, wird vorwurfsvoll, gibt der Partnerin die Schuld, dass er trinken müsse, da er sie sonst nicht ertragen hätte. Sie habe selber psychische Probleme und er sei der, der alles für die Familie gebe und sie mache nichts. Sie arbeitet neben den Kindern und dem Haushalt. Ist mittlerweile selber am Anschlagund verzweifelt. Oft ist der Alkohol der Streitgrund, wobei Vorwürfe fallen, eine Sucht vehement abgestritten wird, aber er ihr psychische Störungen vorwirft, laut wird und aggressiv. Er ist dann nicht mehr sich selber und beleidigt beschimpft. Respektlos und fies wird er dann und droht mit Rauswurf aus dem gemeinsamen Zuhause und dem Ende der Beziehung. Sie habe alles kaputt gemacht. 
Gleichzeitig stellt er dir leeren Dosen und Flaschen blitzartig aus der Küche, wenn Besuch kommt. Stellt das Bier, welches normalerweise Griff bereit im Kühlschrank oder der Küche ist, in den Keller. Eine Sucht habe er nicht, er könne jederzeit aufhören. Wird das Thema Trinkverhalten und Alkoholiker angesprochen wird er unglaublich wütend. Ich denke, dass dies ein wunder Punkt ist und er eigentlich weiss, dass er ein Problem hat, dieses aus Scham aber nicht wahrhaben will. Er hat aufgrund gesundheitlicher Probleme (typische Symptome bei langfristigem übermässigem Alkoholkonsum) schon mehrfach aufgehört, nach ein paar wenigen Tagen oder Wochen, sobald er Stress verspürte, aber wieder angefangen seine Probleme zu ertränken. Angesprochen darauf ist Wut und Vorwurf die Antwort und wieder die Aussage, er könne ja selber jederzeit aufhören. Dies glaubt seine Partnerin aber nicht mehr. Ihre Gefühle schwanken zwischen Wut, Ohnmacht, Liebe, Verzweiflung, Verachtung, Hoffnung auf eine liebevolle harmonische Zukunft. Aus Angst, dass Hilfe nicht anonym ist und Kinder im Haushalt leben, wendet sich diese Frau nicht an eine Beratungsstelle. Was kann sie tun, sind ihre Befürchtungen berechtigt?
Danke für eine Antwort, ich möchte ihr helfen können.

1 Answers
Antje.Mohn Staff answered 2 Wochen

Hallo
Ich finde es sehr schön, dass Sie Ihrer Bekannten helfen wollen. Sie scheint in einer sehr verzweifelten Lage zu sein, sie fühlt sich hilflos und ohnmächtig gegenüber den grossen Problemen, die Sie und Ihr Mann haben. Vieles, was Sie beschreiben ist sehr typisch und passiert häufig zwischen Paaren, wenn einer von beiden trinkt: die Schuldzuweisungen und Vorwürfe, die Schamgefühle, Verzweiflung, Hoffnung, Enttäuschungen. Beide scheinen in diesem Kreislauf gefangen zu sein und kommen selbst nicht mehr heraus. Zum einen möchte ich Ihrer Freundin raten, dass Sie mit Ihrem Mann nicht diskutiert, wenn er getrunken hat. Das bringt so gut wie nichts, macht es nur  oft schlilmmer. Sie sollte mit ihm sprechen, wenn er nüchtern ist und zugänglicher. Ich würde ihr ebenso raten, sich als Angehörige an eine Suchtberatungsstelle zu wenden. Und zwar nicht für Ihren Mann, sondern für sich selbst. Sie bekommt dort Rat und Unterstützung, wie sie mit der Situation umgehen, was sie machen kann und soll (und was nicht). Dies wird von den Angehörigen als sehr entlastend empfunden. Sie sind dann mit der Situation nicht mehr allein, sondern können alles mit einer Fachperson besprechen. Ich finde dies auch äusserst wichtig, da Kinder mit im Spiel sind. Diese leiden oft sehr unter den Anspannungen und Auseinandersetzungen der Eltern. Ihre Bekante muss keine Angst haben, dass dort irgendetwas passiert, was sie nicht möchte. Die Beratungspersonen stehen unter Schweigepflicht. Ich würde sie sehr ermutigen, sich Hilfe zu holen. Vielleicht wollen Sie sie auch beim ersten Mal begleiten (wenn sie Angst hat), auch das ist möglich. Ich hoffe, ich konnte Ihnen zunächst weiterhelfen. Sonst dürfen Sie sich gerne wieder melden. Ich wünsche Ihnen ein gutes Gespräch mit Ihrer Freundin und grüsse Sie herzlich.