Alcorisk – Das Online-ForumKategorie: Fragen von Angehörigen, Freunden, ...Wie rede ich mit meiner volljährigen Enkelin
Bernhard asked 5 Tagen ago

Ich habe mit meiner 23-jährigen Enkelin eine wunderschöne, vertrauensvolle Beziehung, die ich nicht auf Spiel setzen möchte.
Sie ist seit ca. 5 Jahren magersüchtig und wiegt unter 40 Kg. Sie wohnt zu Hause in einem EFH und hat zu ihrer Mutter wegen der Krankheit ein gestörtes Verhältnis. Daher ist die Enklin zeitweise bei mir wohnhaft, wobei wir es zusammen sehr gut haben. Dabei habe ich aber festgestellt, dass sie viel zu viel Alkohol trinkt.
Wie spreche ich Sie auf dieses Thema an und was rate ich ihr? Wegen der Magersucht will ich aber auf keinen Fall unser Vertrauensverhältnis brechen und trotzdem mache ich mir Sorgen um ihre Gesundheit.

1 Answers
Mike Staff answered 5 Tagen

Guten Tag
vielen Dank, dass sie sich hier bei alcorisk gemeldet haben. Eine uns nahe stehende Person auf ein schwieriges Thema anzusprechen ist oftmals schwieriger, als bei Personen, zu denen wir eine unverbindliche Beziehung haben. Schliesslich wollen wir ja – genau wie sie es beschreiben – die gute Beziehung auf keinen Fall gefährden. Andererseits können wir ja auch nicht einfach „die Augen verschliessen“ und so tun, als ob nichts wäre, denn dafür sind uns diese Menschen zu wichtig.
 
Ich mache ihnen daher Mut – gerade weil sie so eine gute Beziehung zu ihrer Enkelin haben – sie auf ihre Beobachtungen hinzuweisen. Sprechen sie ihre Enkelin darauf an, was sie bzgl. Alkoholkonsum bei ihr wahrnehmen und welche Sorgen, Unsicherheiten und Ängste das bei ihnen auslöst. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihre Enkelin – zumindest im ersten Moment – nicht gerade erfreut sein wird, aber ihre Beziehung wird das verkraften. Zudem ist es bei ihrer Situation (Magersucht) definitiv angezeigt zu handeln, damit sie durch den Alkohol ihren Körper nicht noch mehr „malträtiert“ und schädigt.
Ihre Enkelin soll merken, dass sie sich um sie sorgen, sie ihnen wichtig ist und sie sie genau aus diesem Grund darauf ansprechen. Ein Alkoholproblem verschwindet nie, wenn man es „totschweigt“ oder ignoriert. Vielleicht ist schon das Ansprechen Motivation genug um ihren Konsum zu verändern, oder sie unterstützen sie dabei eine Suchtfachstelle in ihrer Umgebung zu finden.
Sie müssen auf keinen Fall ihr Therapeut werden, sondern ihr einfach zeigen, dass sie ihnen wichtig ist und sie sich deshalb um sie sorgen und sie so unterstützen.
 
Ich wünsche ihnen viel Mut und ein gutes Ansprechen.
Mike