Jolly_ asked 2 Wochen ago

Liebe Alle
Vorerst herzlichen Dank für diese Möglichkeit.
 
Alkohl ist in unserer Familie leider ein relativ grosses Thema. Bereits unsere Mutter ist dem Alkohol bis heute verfallen. Sie ist eine typische Delta Trinkerin. Auch hier habe ich als Jugendliche interveniert, aber bis heute zeigt sie keine Einsicht.
Nun mein eigentliches Problem ist mein Bruder – 40 Jahre alt. Auch er hat bereits seit je her ein Problem mit dem Trinken. An keinem Fest der Familie oder sei es im Ausgang oder auch Zuhause, ist er nüchtern. Er trinkt seit 20 Jahren, seit etwa 10 Jahren  exessiv. Vermutlich ist er eine Mischung des Delta und Gammatrinker – die Exzesse gehen vielfach mit Filmrissen einher.
Bisher habe ich geschwiegen und es wurde von anderen Familienmitgliedern schön geredet – a la :“ So lange er noch arbeitet, ist es ja nicht schlimm.“.
Nun suche ich Tipps wie ich am besten ein Gespräch mit meinem Bruder über die Problematik des Alkohols beginne. Ich weiss Vorwürfe bringen hier nichts und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass er nicht einsichtig sein wird und er es schön reden wird, da er ja nicht sieht, dass er ein Problem hat.
 
Habt ihr mir vielleicht Tipps wie ich das Gespräch führen könnte?
 
Herzlichen Dank!

1 Answers
Antje.Mohn Staff answered 2 Wochen

Hallo Jolly
Schön, dass Sie sich hier gemeldet haben und sich Hilfe und Unterstützung holen. Es braucht Mut, mit diesem Thema nach aussen zu treten und das Tabu, dass darüber in der Familie lieber geschwiegen wird, zu brechen. Einerseits möchte ich Ihnen Hoffnung machen, dass Sie durch ein Gespräch etwas bei Ihrem Bruder bewirken können, andererseits möchte ich Ihnen aber auch gleich zusprechen, dass Sie nicht die Verantwortung dafür haben, ob er dann etwas daraus macht oder nicht. Ich verstehe Ihr Bedürfnis, ihm zu helfen und mit ihm zu reden sehr gut. Und ich finde es wirklilch toll, dass Sie nicht einfach den „Kopf in den Sand“ stecken und so tun möchten, als ob alles normal und in Ordnung wäre, denn das ist es mit Sicherheit nicht. Daher möchte ich Ihnen auch gerne ein paar Tipps geben, wie Sie „die Sache“ angehen könnten…, aber eben gleich mit dem Hinweis, dass es dabei nicht um den Anspruch gehen, ihn zu retten. Er trägt selbst die Verantwortung für das was er tut, für seinen Konsum, für sein Leben. Was ich mir vorstellen könnte ist, dass Sie ihm vielleicht einmal einen Brief schreiben. So muss er nicht gleich unmittelbar darauf reagieren und sich verteidigen. Er kann dann erst einmal in Ruhe das Gelesene auf sich wirken lassen und die Scham ist dann vielleicht nicht ganz so gross, wie wenn Sie ihm gegenüber sitzen. In einem Brief (oder auch in einem Gespräch) könnten Sie zum Ausdruck bringen, dass Sie sich grosse Sorgen um ihn machen. Sie könnten ihm mitteilen, wie wichtig er Ihnen ist und dass er Ihnen nicht egal ist, auch nicht was er tut. Sie könnten seine Stärken und Fähigkeiten aufzählen (z.B. Arbeitsfährigkeit, das was Sie an ihm mögen und schätzen…) und gleichzeitig ihm mitteilen, was er alles mit seinem hohen Alkoholkonsum kapputt macht oder aufs Spiel setzt. Wenn er Kinder hat, würde ich auch das ansprechen: dass er Verantwortung für sie hat und es nicht egal ist, ob er trinkt oder nicht, sondern dass die Kinder in aller Regel sehr unter dem hohen Alkoholkonsum ihrer Eltern leiden. Ich würde an seine eigene Verantworung appellieren, dass er es selbst in der Hand hat, ob er so weitermachen oder etwas verändern will. Ich würde ihm konkret vorschlagen, wo er einen Termin ausmachen könnte (z.B. bei einer Suchtberatungsstelle) und ihm sagen, dass es leichter ist, mit Unterstützung etwas zu ändern. Bringen Sie vielleicht am Ende nochmals Ihre Liebe und Zuneigung zu ihm zum Ausdruck, denn die haben Sie, sonst hätten Sie sich hier nicht gemeldet. Nachdem Sie mit ihm gesprochen oder ihm geschrieben haben liegt der Ball bei ihm und Sie dürfen es wieder loslassen und sich auf Ihr eigenes Leben konzentrieren. Sie haben schon so vieles durchgemacht, wenn Sie eine alkoholkranke Mutter erlebt haben, dass Sie sich nun um sich selbst kümmern dürfen. Ich wünsche Ihnen dafür von Herzen alles Gute!