Ellen asked 4 Monaten ago

Hallo, mein Name ist Ellen. Ich bin 58. Seit 4 Jahren bin ich nach einer vorherigen Trennung (nach 18 Jahren)mit Andreas (48) zusammen. Ich habe ihn über ein Internetportal kennengelernt. Wir wohnen in verschiedenen Städten u. verbringen seit wir uns kennen die Wochenenden u. unseren Urlaub in Fernbeziehung zusammen. Am Anfang sagte er, er würde nicht rauchen u. keinen Alkohol trinken. Ich fand das total super, da mein Ex beides übermäßig tat. Ich fragte allerdings nicht nach warum. Hätte ich mal tun sollen. Die ersten ca. 4 Monate waren sehr schön. Ich war total verliebt in ihn. Dann kam der 1. Urlaub. Seine Mutter (die ich bis dahin 3x gesehen hatte) überfiel mich aus heiterem Himmel mit der Info, während Andreas nicht dabei war damit, dass er Alkoholiker sei. Er hätte vor mehreren Jahren eine Therapie gemacht, aber er bliebe ja Alkoholiker. Das Gespräch kam daher, weil ich ihr ein Foto gezeigt hatte von A. auf dem eine Bierdose neben ihm stand, die er getrunken hatte…. Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Auch weil SIE u. nicht er mir das gesagt hat. Ich schleppte alles 2 Tage mit mir rum u. war total fertig. Als ich ihn darauf ansprach wich er aus. Seine Mutter sei alt u. spinnt. So in der Art. Als wir nach dem Urlaub zuhause waren nach einer anstrengenden Fahrt brach er förmlich zusammen. Er zeigte so ziemlich das erste Mal Gefühle. Er weinte u. meinte er sei Alkoholiker u. ob ich nun enttäuscht sei. Klar war ich das. Ich sagte es aber nicht, sondern tröstete ihn stattdessen.Das ganze ist nun 4 Jahre her. Seitdem trinkt er. Undzwar immer mehr u. täglich. Er geht jeden Tag zur Arbeit. Fährt am Wochenende auch mit dem Auto zu mir. Am Anfang hab ich ihm zaghaft was gesagt zum Trinken. Dass ich mir Sorgen mache usw. Er hat nicht darauf reagiert. Er macht auch Heimlichtueteien mit dem Trinken. Überall sind leere Bierdose. In seiner Waschtasche, Waschmaschine, oben auf dem Schrank ….Ich kann mit ihm nicht über das Getrinke reden. Er blockt komplett ab oder wird aggressiv u. verletzend. Ich war bei einer Beratung, hat mir aber nichts gebracht. Ich habe in meiner Verzweiflung sogar seine Mutter angeschrieben in der Hoffnung auf Hilfe. Sie wollte nicht viel davon wissen, machte mir Vorwürfe, dass ich erst jetzt was gesagt habe (A.hat mich eindringlich gewarnt das zu tun) u. kam mit Sprüchen wie, nicht jeder der täglich trinkt ist Alkoholiker. Sprich: sie will es nicht wahrhaben. Ich habe mit 2 Freundinnen darüber geredet, die mur aber nicht weiterhelfen konnten. Ich weiß nicht mehr was ich tun soll.Ich habe immer noch sehr starke Gefühle für ihn. Bin deshalb hin u. her gerissen u. werde immer wieder weich. Auch wenn er mich am Vorabend verbal verletzt hat. Was oft vorkommt. Ich habe auch kein Bock mit ihm zu schlafen wenn er betrunken ist. (Obwohl es immer sehr gut war mit ihm) da er jeden Tag trinkt findet in der Richtung nur noch wenig statt. Mittlerweile isst er nur noch ganz unregelmäßig u. wenig. Nämlich dann wenn er mit trinken \“fertig\“ ist. Also voll. Dann zieht er sich spät nachts Chips oder einen Teller Nudeln rein um dann einzuschlafen. Ich bin total unglücklich u. fertig mit den Nerven. Denke oft an Trennung u. fahre doch immer wieder zu ihm. Ich habe große Angst um ihn. Aber auch um mich. Muss dazu sagen, ich kenne mich mit Süchten aus, ich war selbst früher vom 17. bis 26 Lebensjahr süchtig. Ich habe Drogen genommen. Bin dann in eine Entgiftung u. Ca. 15 Monate in einer therapeutischen Wohngemeinschaft gewesen u. habe aufgehört. Heute lebe ich sehr gesund. Ich rauche nicht mehr seit ca. 8 Jahren. Trinke sehr sehr wenig Alkohol. Ernähre mich gesund. Mache Sport. Allerdings trinke ich manchmal am Wochenende, wenn ich bei ihm bin mit. Aus Frust u. Verzweiflung.Ich weiß, dass ich mich wohl von ihm trennen müsste. Ich möchte es aber nicht. Was kann ich tun? 

1 Answers
Mike Staff answered 4 Monaten

Hallo Ellen
willkommen hier bei alcorisk und vielen Dank für ihr Vertrauen. 
„Was kann ich tun?“ Nach dem Lesen ihres Beitrages, ihrer Geschichte ist die naheliegendste Antwort auf ihre Frage wohl „sich trennen“. Nur, wenn es so einfach wäre, dann würden sie sich hier wohl nicht melden. Ich möchte sie deshalb auch nicht einfach mit so einer Antwort „abspeisen“, sondern ihnen schreiben, was ihre Geschichte bei mir für Gedanken, Gefühle und Überlegungen ausgelöst hat.
Aus der Distanz betrachtet – ganz nüchtern und technisch – sind sie seit 4 Jahren in einer Beziehung, wovon lediglich 4 Monate „sehr schön“ und sorglos waren. Der Rest der Zeit ist von einem Auf und Ab und Unsicherheit geprägt. Geprägt aber offensichtlich auch von ganz starken Gefühlen ihrem Partner gegenüber, denn er muss wirklich ein besonderer Mensch sein, dass sie über so lange Zeit „trotz allem“ an der Beziehung festhalten.  
Das klingt für mich ein wenig wie der klassische „Kampf“ zwischen Kopf und Herz, Verstand und Gefühl. Das bedeutet aber eben auch, dass – egal wie sich sich entscheiden – sie in jedem Fall zugleich „verlieren und gewinnen“. 
Sie stecken seit knapp vier Jahren in einer Dreiecksbeziehung und es scheint ja nicht so zu sein, dass er bereit ist seine andere „Freundin“ / „Partnerin“ (= Alkohol) aufzugeben. Wenn sie mit dieser Dreiecksbeziehung weiter leben können / wollen, dann müssen sie nichts ändern, sondern können die Beziehung – mit allem Positiven und Negativen – weiterführen. Wenn sie das aber nicht (mehr) wollen, dann müssen sie sich erstens überlegen, wie denn die Beziehung konkret aussehen müsste, dass sie eine echte Zukunftschance hat. Zweitens dann auch ganz ehrlich die Frage beantworten, ob diese Veränderung auch realistisch ist. Sie wissen ja aus ihrem eigenen Leben, wie viel Kraft, Zeit, Willen, Energie, Fortschritte, Rückfälle, etc. eine echte Veränderung braucht. Ich bin ein sehr optimistischer Mensch, bei welchem die Hoffnung zuletzt stirbt, aber es gibt Momente, in denen sie stirbt und ein Festhalten an ihr keinen Sinn mehr macht. 
Wenn sie dies für sich geklärt haben, dann wissen sie besser, was sie tun können. Lesen sie ihren Beitrag nochmals, als wäre er von jemandem anders – vielleicht ihrer Freundin –  geschrieben. Was löst diese Geschichte bei ihnen aus? Was würden sie dieser Freundin sagen? Wo hätten sie Verständnis und wo würden sie nur noch den Kopf schütteln?
 
Liebe Grüssse und viel Kraft
Mike