Alcorisk – Das Online-ForumKategorie: Fragen von Angehörigen, Freunden, ...Partner sieht sein Alkoholproblem nicht ein
Ramona asked 3 Monaten ago

Guten Tag,
Mein Partner hat schon lange ein Problem mit Alkohol (mehrere Büchsen Bier am Tag und auch Nachts und noch anderen Alkohol dazu)
Wenn ich ihn darauf anspreche wird er wütend …
Vor 2 Wochen hatte er eine Blutentnahme wo auch die Leberwerte erhöht waren. Daraufhin hat er 2 Wochen gar keinen Alkohol mehr getrunken. Aber letztes Wochenende kam dann der Rückfall und seit dem trinkt er wieder jeden tag … 
Er hat auch depressionen und ist deswegen in Begandlung aber erzählt seiner therapeutin, dass er kaum alkohol trinkt… 
Er wartet auf einen platz zu stationären behandlung für die depressionen. Kann allerdings nich etwas dauern bis was frei wird… 
Ich ständig den drang ihn kontrollieren zu müssen, obwohl das überhaupt nichts bringt und er sagt dass ich ihn damit nur noch mehr unter druck setze… 
Wenn er nachts aufsteht um alkohol zu trinken weil er nicht schlafen kann werde ich sofort mit wach und versuche ihn daran zu hindern. Aber das funktioniert nie..  
Unsere Beziehung leidet wirklich sehr darunter … 
Ich weiss nicht  mehr weiter
 

1 Answers
Antje.Mohn Staff answered 3 Monaten

Hallo Ramona
Es ist gut, dass Sie sich hier gemeldet haben und sich Hilfe und Unterstützung holen. Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit, unter der auch die Angehörigen sehr mitleiden. Auch Ihr Leben wird sehr davon beeinträchtigt, wenn Sie z.B. nachts wach werden sobald Ihr Partner aufsteht um etwas zu trinken. Sie haben selbst schon gemerkt, dass es nichts bringt, den Konsum kontrollieren zu wollen und Sie können ihn auch nicht „zwingen“, mit dem Trinken aufzuhören. Der Wunsch, Ihren Partner zu einer Veränderung zu bringen ist allzu verständlich. Was also können Sie tun? Zunächst sollten Sie die Verantwortung für sein Alkoholproblem ihm zurückgeben und sich selbst wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit bringen. Sich z.B. bewusst machen, wie stark der Alkohol bereits das eigene Denken und Verhalten, Ihr körperliches und psychisches Wohlbefinden beherrscht. Mit anderen Worten, Sie sollten sich selbst gut Sorge tragen! Es gibt zudem ein paar konkrete „Ratschläge“: Wenn Sie mit ihm reden, versuchen Sie ihm keine Vorwürfe und Vorschriften zu machen. Darauf wird er, so wie Sie es ja auch beschrieben haben, wütend reagieren. Sagen Sie ihm, was Sie belastet, worüber Sie sich Sorgen machen, was Sie beobachten, wie Sie sich dabei fühlen. Fragen Sie ihn, wie er die Situation sieht. Versuchen Sie mit ihm in ein Gespräch zu kommen, in dem Sie beide ihre Sichtweisen und Bedürfnisse einbringen können (das geht natürlich nur, wenn er nüchtern ist!). Setzen Sie ihm auch Grenzen, da wo es für Sie nicht mehr möglich ist, das zu akzeptieren. Wenn es für Sie z.B. nachts nicht mehr möglich ist, so zu schlafen, dann suchen Sie eine Möglichkeit, wo Sie oder er an einem anderen Platz schlafen kann, so dass Sie sich nicht mehr gestört fühlen, wenn er aufstehen muss. Der Alkoholkonsum hat bei ihm vermutlich eine bestimmte Funktion übernommen, die evtl. mit seiner Depression in Verbindung steht. So versucht er vielleicht, seine depressiven Stimmungen und Gedanken mit Alkohol zu „behandeln“. Sie schreiben, dass er wegen Depressionen in Behandlung ist und auf eine stationäre Therapie wartet. Vielleicht können Sie mit ihm auch besprechen, ob er sich vorstellen könnte, auch das Thema „Alkohol“ dort einzubringen, damit ihm umfassend geholfen werden kann. Für Sie selbst finde ich es jetzt aber vorrangig wichtig, dass Sie eine Möglichkeit finden, sich entlasten zu können. Wenn Sie sich an eine Suchtberatungsstelle wenden, bekommen Sie auch als Angehörige Begleitung und Unterstützung. Kümmern Sie sich gut um Ihre eigenen Bedürfnisse, tun Sie sich etwas Gutes und versuchen Sie, immer wieder Abstand zu nehmen. Ich wünsche Ihnen alles, alles Gute.