Alcorisk – Das Online-ForumKategorie: Fragen von Angehörigen, Freunden, ...Ich habe Angst um meinen Mann. Er trinkt zuviel .
Regina asked 4 Wochen ago

Mein Mann trinkt jeden Tag Alkohol. 2- 3 Gläser Wein und noch 4- 6 Flaschen Bier. Er ist zwar 199cm groß aber ich denke bei dieser Größe ist auch das zuviel. Ich weiß nicht wie ich an ihn heran kommen soll. Hab ihm auch schon gesagt dass ich finde das er viel trinkt. Das stritt er natürlich ab. Er kann auch wochenlang auf Alk verzichten wenn er es möchte und er ist immer morgens wenn er getrunken fit. Ist er Alkohol krank? Was soll ich tun?

1 Answers
Antje.Mohn Staff answered 4 Wochen

Hallo Regina
Gut, dass Sie sich hier gemeldet haben und sich Hilfe holen und schon einmal vorab: Danke für Ihr Vertrauen und Ihre Offenheit, die Sie uns entgegen bringen. Ich kann Ihre Fragen, Ihre Unsicherheit und Ungewissheit gut verstehen. Sie bekommen mit, wie Ihr Mann zeitweise viel trinkt und dann es aber auch wieder schafft, ganz auf Alkohol zu verzichten. Das macht es sehr schwer, den Konsum richtig einzuschätzen. Auf jeden Fall finde ich es gut, wenn Sie das Thema ansprechen und ihm Ihren Eindruck mitteilen. Auch wenn er es zunächst abstreitet, ist es wichtig, dass Sie Ihr Gefühl ernst nehmen. Von einer Alkoholkrankheit, bzw. – abhängigkeit spricht man dann, wenn verschiedene Anzeichen vorhanden sind: dies sind z.B. ein starker Wunsch, Alkohol einzunehmen, Schwierigkeiten den Konsum zu kontrollieren, weiterer Substanzgebraucht trotz schädlicher Folgen, Vernachlässigung anderer Interessen, Entwicklung einer Toleranzerhöhung (man braucht mehr Alkohol um die gewünschte Wirkung zu erzielen) und körperliche Entzugserscheiungen. Mir scheint eher, dass bei Ihrem Mann ein problematischer Konsum vorliegt, da er episodisch zu viel trinkt (er trinkt dann mehr als 5 Standardgläser pro Situation und Anlass). Der Übergang von einem problematischen zu einem abhängigen Konsum ist jedoch fliessend und auch ein problematischer Konsum ist häufig für die Angehörigen schon sehr belastend und besorgniserregend. Deswegen möchte ich Sie weiter ermutigen, an dem Thema dran zu bleiben und für sich zu überlegen, was es für sie heisst, wenn er phasenweise so viel trinkt. Was stört Sie, was macht Ihnen Sorgen, was ist dann anders an ihm, wie beeinträchtigt der Konsum dann Ihre Beziehung (bzw. vielleicht auch die Familie, wenn Sie Kinder haben), worunter leiden Sie am meisten… Beschreiben Sie dann Ihrem Mann in einem offenen Gespräch (wenn er nicht getrunken hat, wenn er nüchtern und offen ist), wie es Ihnen geht wenn er trinkt. Sagen Sie ihm, was Sie belastet, was Sie traurig macht usw. Fragen Sie ihn, wie er die Situation sieht. So kann ein Dialog zwischen Ihnen beiden entstehen, ohne dass er sich angegriffen fühlt. Wichtig ist auch, dass Sie sich selbst Sorge tragen, dass Sie Ihren Bedürfnissen Rechnung tragen. Vielleicht hilft es Ihnen auch, sich in einem Gespräch zu entlasten. Die Suchtberatungsstellen sind immer auch für die Angehörigen da. Sie bekommen dort längerfristige Berarung, Unterstützung und Hilfe. Das könnte Ihnen auch das Gefühl geben, nicht allein mit dem Problem zu sein. Auch Selbsthilfegruppen für Angehörige können eine gute Unterstützung sein. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen weiterhin Mut, dass Sie das Problem angehen, denn wenn Sie aktiv werden, verlieren Sie mehr und mehr das Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Und wenn Sie etwas verändern kann dies auch Einfluss auf das Verhalten Ihres Mannes haben. Alles, alles Gute dafür und wenn Sie möchten, dürfen Sie sich auch sehr gerne hier wieder melden.