Anna asked 1 Monat ago

Ich (51)  kennen meinen Freund (56) seit einem halben Jahr. Und in dieser Zeit ist er zweimal abgestürzt. Beim ersten Mal habe ich das Problem Alkohol nicht erkannt. 
Ich muss dazu sagen, mein Freund arbeitet sehr viel, und wir sehen uns max  1x die Woche, und an den Wochenenden. Da geht er aber auch Samstags und Sonntags zum Sport und in den Spa. 
Jetzt in der Coronakrise kam der zweite Absturz. Er musste ins Homeoffice, durfte keinen Sport machen und nicht in den Spa. 
 
Er hat mir gesagt, dass er ein großes Problem mit Alkohol hat.
 
Ich bin auf seinen Wunsch sehr viel bei Ihm .( bin seit kurzem in Kurzarbeit, habe diese Zeit) Er sagt, dass würde Ihm helfen. 
Er trinkt nur heimlich, meistens Nachts. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll..

1 Answers
Antje.Mohn Staff answered 1 Monat

Liebe Anna
Schön, dass Sie sich hier gemeldet haben und sich Hilfe holen. Danke auch für Ihr Vertrauen, das Sie uns mit Ihrer Anfrage entgegen bringen. Im Moment ist durch die Coronakrise sicher eine besondere Situation und dennoch kommt in Ihrem Schreiben zum Ausdruck, dass Ihr Freund auch schon vorher ein Alkoholproblem hatte und sich dieses nun verstärkt hat. Vieles, was ihm vorher geholfen hat, mit dem Problem umzugehen, fällt momentan weg (Sport, Spa). Es hört sich für mich ein wenig so an, als ob Alkohol bei ihm die Funktion hat, abschalten und entspannen zu können. Gut finde ich, dass Sie darüber reden konnten und er ihnen sagen konnte, dass er ein grosses Problem mit Alkohol hat. Bleiben Sie mit ihm darüber im Gespräch. Was hilft ihm, wenn Sie da sind? Was hilft ihm sonst? Teilen Sie ihm auch mit, wie es Ihnen dabei geht, wie Sie sich fühlen, was Ihnen Angst und Sorgen macht. Kommen Sie mit ihm in einen Dialog, in dem Sie beide ihre Sichtweisen und Bedürfnisse einbringen können und er sich nicht angegriffen fühlen muss. Wichtig ist auch, dass Sie nicht beginnen, die Verantwortung für ihn zu übernehmen, wenn Sie bei ihm sind. Er selbst sollte entscheiden, wie und was er verändern möchte. Das können Sie nicht für ihn übernehmen. Sie können ihm auch klar sagen, was Sie nicht bereit sind, zu akzeptieren, wo Ihre Grenzen sind. Er sollte wissen, was Sie nicht bereit sind, zu ertragen. Ihr konsequentes Verhalten kann für ihn sehr wichtig und motivierend sein. Weiterhin finde ich es wichtig, dass Sie für sich gut schauen und nun nicht Ihr ganzes Leben nach ihm ausrichten: für ihn da sind, für ihn sorgen, auf ihn „aufpassen“. Machen Sie weiter, was Ihnen Spass macht und was Ihnen gut tut. Die Gefahr besteht sonst, dass Sie sonst ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigen. Sie dürfen immer wieder Abstand nehmen. Nochmals: Er trägt für sein Verhalten die Verantwortung, Sie können ihn vor den Abstürzen nicht bewahren!. Gut wäre sicherlich, wenn er bereit wäre, Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich selbst beraten zu lassen. Vielleicht wollen Sie auch einmal gemeinsam einen Termin bei einer Beratungsstelle ausmachen? Dann könnten Sie mit einer Fachperson besprechen, welches Angebot für ihn am besten passen würde. Neben einer stationären Therapie gibt es auch viele ambulante Untersützungsmöglichkeiten. Auch Sie können sich (allein) beraten lassen, wenn er nicht mitgehen möchte. Vielen Angehörigen gibt das Sicherheit und Halt beim Umgang mit dem Problem. Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute und sehr gerne dürfen Sie sich auch hier wieder melden.