Alcorisk – Das Online-ForumKategorie: Kontrolliertes TrinkenHat diese Beziehung eine Chance?
Julia asked 3 Monaten ago

Hallo, mein Partner trinkt regelmäßig in unterschiedlichen Mengen Alkohol (zwei bis dreimal die Woche, im Urlaub auch mal mehr). Er ist nicht körperlich abhängig, aber ich glaube, dass er psychisch abhängig ist.  Meistens trinkt er Bier selten Hochprozentiges, es verschafft ihm Freude und Entspannung, auch regt es seinen Appetit an, das sind seine Hauptgründe. Auch hatte er früher jeden Tag gekifft, was er größtenteils eingestellt hat. Er ist nie aggressiv und hat keinen Kontrollverlust. 
Er ist ansonsten ein wunderbarer Mensch und ich habe starke Gefühle für ihn zumal wir auch gut zusammenpassen, da wir viele Gemeinsamkeiten haben. Wir sind noch kein ganzes Jahr zusammen.
Mein Hauptproblem ist das meine letzte Beziehung aufgrund von Alkohol zugrunde gegangen ist. Das hat sicherlich auch eine Narbe hinterlassen. Dadurch macht mich sein Trinkverhalten traurig. Eine kleine Sorgenwolke schwebt daher ab und zu über meinem Kopf. Ich erwarte ja nicht komplette Abstinenz, aber wirklich wenig Alkohol ist das nicht. Nur am Wochenende trinken ist keine Option, er möchte selbst entscheiden, wie viel und wann, sonst fühlt er sich zu sehr bevormundet. Wegen gegebener Umstände sind wir überhastet zusammengezogen aufgrund von einem besseren Job in weiterer Entfernung (die aktuelle Wohnung ist auch etwas zu klein) überlegen wir wieder in getrennten Wohnungen zu leben.
 
Hat diese Beziehung überhaupt eine Chance? Ich möchte diese Beziehung nicht einfach so aufgeben.
 
 
 

1 Answers
Antje.Mohn Staff answered 3 Monaten

Hallo Julia
Danke für Ihre Anfrage, Ihre Offenheit und Ihr Vertrauen, das Sie uns entgegenbringen. Ich finde es sehr gut, dass Sie einerseits Ihre eigenen Gefühle, Sorgen und Befürchtungen ernst nehmen, aber gleichzeitig auch Ihre Beziehung nicht vorschnell aufgeben wollen. Durch Ihre vorangegangene Beziehung, die wegen Alkohol gescheitert ist, sind Sie „gezeichnet“, d.h. aber auch vorsichtig und achtsam mit sich. Sie möchten nicht noch einmal das Gleiche erleben. Das kann ich sehr gut verstehen. So wie es sich anhört, haben Sie schon mit Ihrem Partner über Ihre Ängste, die den Alkoholkonsum angehen, gesprochen? Was es in Ihnen auslöst, mit Ihnen macht, wie Sie es wahrnehmen? Kann er Sie denn ein Stück weit verstehen? Sie schreiben, dass er sich dann bevormundet fühlt. Aber wenn Sie nur einmal von sich sprechen, ohne „Vorwürfe“ und „Vorschreibungen“ an ihn, ist es dann auch so? Wenn Sie im Gespräch mit ihm nicht weiterkommen, empfehle ich Ihnen, sich Unterstützung zu holen. Vielleicht hilft es Ihnen, sich im Gespräch mit einer neutralen Person auszutauschen, z.B. in einer Suchtberatungsstelle, wo auch Angehörige Beratung und Begleitung bekommen. Ich könnte mir vorstellen, dass es für Sie hilfreich sein könnte, Ihre eigene Geschichte (mit Ihrer vorhergehenden Beziehung) nochmals zu reflektieren und daraus abgeleitet zu erkennen, was Sie möchten, und was Sie auf jeden Fall nicht mehr möchten. Diese Klarheit könnte Ihnen im Gespräch mit Ihrem jetzigen Partner weiterhelfen. Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen gelingt, sehr „bei sich“ zu bleiben, ihre Gefühle ernst und wichtig zu nehmen und sie nicht zu verdrängen. Mit dem Schreiben hier haben Sie schon den ersten wichtigen Schritt gemacht. Ich wünsche Ihnen Mut, dass Sie weiterhin sich treu bleiben und falls nötig, dazu auch Begleitung in Anspruch nehmen. Alles Gute dafür.