Beijingnoodle asked 5 Monaten ago

Hallo Zusammen

Ich bin neu hier. Habe dieses Forum beim googlen gefunden.
Ich bin völlig verzweifelt und weiss nicht mehr was ich tun soll. Folgendes Problem:
Ich bin männlich aktuell 39 Jahre alt. Vor ca. 2 Jahren habe ich eine Frau kennengelernt (33 Jahre). Ich kannte Sie bereits vom Sehen unserer Stammkneipe in der Stadt. Gerade von Anfang an ist mir bereits aufgefallen, dass Sie viel Alkohol trinkt. Sie war bereits dort jeden Tag in der genannten Bar. Allerdings relativ spät Abends und trank bereits dort Ihre 3 Bier bis die Bar schloss.
Wir haben uns näher kennengelernt und uns sehr lieb gewonnen und hatten auch das übliche Programm, was man so von einem Pärchen erwartet. Ich hatte Sie bereits dort auf Ihren Alkoholkonsum angesprochen und Ihr war und ist bewusst, dass Sie in Problem damit hat. Der Alkohol war der Grund warum ich keine feste Beziehung wollte. Auch hat mich Ihr Alkoholkonsum dort schon sehr beschäftigt, weshalb ich ein bisschen auf Distanz ging. Was hier noch wichtig zu erwähnen ist, dass ich bereits dort Ihr immer versucht habe diesbezüglich zu helfen. Viel geredet, einen Plan erstellt damit nach nicht jeden Tag in die Kneipe gehen muss, sondern vielleicht nur noch 4 Tage etc.. Auch dort habe ich Ihr bereits vorgeschlagen professionelle Hilfe heranzuziehen.
Irgendwann in der Corona Lockdowns sind wieder uns wieder näher gekommen. Ich muss dazu sagen, dass ich diese Frau sehr gern habe. Plötzlich war es so, dass wir wieder wie ein Pärchen miteinander umgegangen sind, was mir auch sehr Freude bereitet hat, weil ich mir wirklich vorstellen könnte, dass Sie meine Freundin sein könnte.
Leider hat es aber mit dem Alkohol nicht gebessert, sondern ist schlimmer viel schlimmer geworden. Plötzlich war es 5-6 Bier jeden Tag und immer wieder kam es vor, dass Sie Nächte Lang durchgemacht hat. In Ihrem Rausch ist Sie mehrmals hingefallen, Beulen etc..
Immer wieder versuchte ich Ihr zu helfen. Das Problem war dann aber auch immer mehr, dass ich Ihr im gleichen Moment Vorwürfe gemacht habe, im Still von – Du machst alles kaputt mit diesem Zeugs. Dann gingen immer wieder Streitereien los, sobald Sie wieder viel zu viel getrunken hatte. Ich war in diesem Moment auch nicht immer fair. Wie gesagt ich habe dann zum Teil Ihr auch happige Vorwürfe gemacht. Aus Verzweiflung! Weil sie mir immer versprochen hatte sich zu bessern, aber im Gegenteil, es wurde immer schlimmer und schlimmer. Übernachtete im Vollsuff bei anderen Leuten die ebenfalls in der Bar verkehrten. Dies führte ebenfalls immer wieder zu Diskussion, weil ich einfach Angst habe wenn Sie in einem Vollrausch bei Männern übernachtet. Es kam dann auch noch soweit, dass Sie mit einem anderen Freund von uns beiden, bei einem Typen in der Stadt nach Vollsuff in Whirlpool landete. Beim Anziehen hatte der Typ sie gepackt und wollte Sie missbrauchen. Gott Sei Dank war unser Freund ebenfalls vor Ort und konnte eingreifen. Bei einem anderen Typen bei dem Sie schlief, behauptete dieser danach seiner Exfreundin, dass er mit Ihr geschlafen habe, nur um die Exfreundin eifersüchtig zu machen. Es ist nix passiert, aber trotzdem könnt Ihr Euch vielleicht vorstellen wie ich mich gefühlt habe, wo ich das gehört habe.
Ich weiss nicht mehr was ich tun soll. Ich rede und rede mit Ihr. Eine Therapie (und ich denke nur noch diese hilft) will Sie nicht machen. Anscheinend aus Angst. Ich habe Ihr aber versprochen, Sie voll zu unterstützen!
Ich weiss Das Sie mir auch sehr lieb hat, aber eben es ändert sich nichts. Im Gegenteil es wird immer schlimmer und wenn ich dann Ihr wieder Vorwürfe mache trinkt Sie noch mehr. Ich bin echt am Ende und mir geht es psychisch sehr schlecht dabei. Ich bin jetzt wieder auf Distanz gegangen. Ich habe Ihr erklärt dass ich Sie nach wie vor gern habe, aber ich mit diesem Konsum nicht umgehen kann.

Hat von Euch jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir vielleicht ein bisschen helfen?

Danke Euch

1 Answers
Antje.Mohn Staff answered 5 Monaten

Hallo Beijingnoodle
Ich bin froh, dass Sie uns im Internet gefunden haben und sich Hilfe holen. Ich arbeite an einer schweizer Suchtberatungsstelle vom Blauen Kreuz und möchte Ihnen gerne helfen. Danke erst einmal für Ihre Offenheit und das Vertrauen, das Sie uns entgegen bringen. Ihre Verzweiflung, Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit kann ich sehr gut verstehen. Sie haben schon so vieles versucht, schon so viel geredet und wünschen sich so sehr, dass sich Ihre Freundin ändert oder zumindest Hilfe in Anspruch nimmt. Obwohl sie es sich eingesteht, dass sie ein Alkoholproblem hat, schafft sie es dennoch nicht, in eine Therapie zu gehen. Ihre Freundin hat sich über die lange Zeit des Konsums hinweg an den Alkohol gewöhnt. Ein körperlicher Entzug würde vermutlich erst einmal Entzugserscheinungen auslösen und selbst wenn dieser bewältigt ist, bestünde immer noch eine psychische Abhängigkeit, die dazu führt, dass sie weiterhin erst einmal den starken Drang haben würde, wieder trinken zu wollen. Davor haben viele Betroffene Angst. Die meisten Angehörigen von Süchtigen denken, dass sie in der Lage sein müssten, ihrem Partner, in Ihrem Fall Ihrer Partnerin, zu helfen. Aber: Sie sind nicht schuld und verantwortlich, wenn Ihre Partnerin weiter trinkt. Sie können sie nicht retten! Sie können zwar versuchen, sie zu motivieren (so wie Sie es auch schon gemacht haben). Aber den Schritt hin zu einer Veränderung muss sie selbst machen. Sie können ihr Trinkverhalten weder kontrollieren noch können Sie sie zwingen, mit dem Trinken aufzuhören. Was Sie tun können ist vor allem, sich selbst Sorge zu tragen. Das wird am besten möglich sein, wenn Sie, so wie Sie es auch beschreiben, auf Distanz zu ihr gehen. Pflegen Sie Ihr soziales Netz, andere Freundschaften, Ihre Hobbies und Intererssen. Machen Sie sich einmal bewusst, wie stark der Alkoholkonsum Ihrer Freundin schon Ihr eigenes Leben , Denken, Fühlen und Verhalten beeinflusst und wie stark es Ihr psychisches Wohlbefinden beeinträchtigt  („ich bin am Ende und mir geht es psychisch sehr schlecht“). Daher: rücken Sie sich selbst wieder ins Zentrum Ihrer Aufmerksamkeit und geben Sie die Verantwortung für Ihre Suchterkrankung Ihrer Freundin zurück. Grenzen zu setzen und mehr an sich selbst zu denken bedeutet nicht, die abhängige Person abzuweisen und im Stich zu lassen. Sondern es bedeutet, dass Sie Verantwortung für sich selbst übernehmen! Vielleicht tut es Ihnen gut, mit einer anderen, z.B. vertrauten Person aus Ihrer Umgebung über Ihr Problem zu sprechen. Manchmal kann es aber auch ratsam sein, eine Fachperson aufzusuchen. In den Beratungsstellen werden immer auch Angehörige aufgenommen, beraten, begleitet und unterstützt. Eine Fachperson kann Ihnen dabei helfen, Ihre Situation besser zu verstehen und zu entscheiden, wie Sie sich verhalten sollen. Das könnte eine sehr grosse Entlastung für Sie bedeuten. Es gibt auch Selbsthilfegruppe für Angehörige. Der Austausch mit Menschen, die in einer ähnlichen Lage sind kann sehr hilfreich und wohltuend sein. Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig weiterhelfen, sonst dürfen Sie sich gerne hier wieder melden. Von Herzen alles, alles Gute und viel Kraft für IHREN Weg!