Marie asked 5 Monaten ago

Guten Tag
Meine Geschwister und ich sind mit einer alkoholkranken Mutter aufgewachsen. Gemerkt dass unsere Jugend anders war, habe ich erst als erwachsene Person. Ein schmerzhafter Prozess!
Mein Bruder wohnt im Ausland und ist auch süchtig. Er war schon erfolglos in einer Klinik, seine Frau hat ihn mit dem gemeinsamen Kind verlassen. Ich höre nur wenig von ihm, weiss oft nicht wie krank er ist, da er Telefonate nicht entgegennimmt und sms nicht beantwortet. Das ist einerseits schwierig zum aushalten, andererseits befreit es mich, möglichst nichts zu wissen. Das klingt hart!
Nun ist mir seit gestern klar, dass auch meine Schwester krank ist. Seit längerem ist mir bewusst, das sie wohl zu viel trinkt. Aber ich habe es immer von mir geschoben, nicht wahrhaben wollen. Zudem schimpft sie über unsere Mutter und ihre Alkoholerkrankung, redet oft vom „Scheissalk“. Sie weist es also auch irgendwie von sich.
Gestern traf ich sie seit langem wieder und erschrak sehr über ihr Ausehen. Zwar gepflegt, aber ihr Gesicht, die zitternden Hände, fahrigen Bewegungen und die Ausdünstung, sagten alles. Der Geruch der aus der Haut dringt vom ständigem Konsum; der ist in mich reingebrannt. So roch die Mutter, riecht sie immer noch.
Es tut mir unendlich leid für meine Schwester. Und ich habe auch ein schlechtes Gewissen, da ich nun die einzige bin, die es nicht getroffen hat. Ich weiss, dass ich diese „Gen“ auch in mir trage. Aber ich lebe sehr diszipliniert und bewusst, weil ich mein Leben nicht zerstören lassen will von dieser Familienlast. Ich würde meiner Schwester gerne mitteilen dass ich mir Sorgen mache und es mich schmerzt sie so zusehen. Eigentlich würde ich ihr am liebsten einen Brief schreiben. Aber ist das eine gute Idee? Leider sehen wir uns wegen der Wohnsituation auch nicht oft. Zudem fürchte ich, dass eine direkte Konfrontation nicht gut heraus kommt. Was meinen Sie dazu? Mir ist bewusst, dass ich ihr den Weg zu einem anderen Leben nicht abnehmen kann. Ich möchte ihr in dem Brief nur mitteilen, dass sie mir wichtig ist, ich gemerkt habe dass sie Probleme mit dem Alkohol hat, es mir Sorgen macht. Ich will ihr sagen, dass sie immer meine Schwester ist und bleibt, auch gerade weil  wir diese gemeinsame schwierige Familiengeschichte haben. Warum ist es so, dass meine Geschwister auch alkoholkrank sind und ich nicht?
Ich habe gerade sehr grosse Schwierigkeiten mit dem Thema, wenn ich auch schon über 50 bin. Würde es auch Sinn machen, eine Beratung in Anspruch zu nehmen um mit dieser Familienbelastung besser umzugehen?
Danke für Gedankentipps,
Freundliche Grüsse, Marie