Daniel asked 8 Monaten ago

Mir wurde im Juli 2019 der Führerausweis abgenommen wegen 1.7 am Steuer. Nun habe ich (endlich) einen Entscheid zur Fahreignung erhalten, welcher aber negativ ist.
Da ich vor 7 Jahren schon mal mit 1.4 kontrolliert wurde und gemäss der Gutachterin keine Strategien für das Auseinanderhalten von Trinken und Fahren habe, bin ich charakterlich nicht geeignet. Nun wurden mir 12 Stunden Verkehrstherapie verordnet, was ich als nicht verhältnismässig erachte. Die Gutachten erinnern eher an formelhafte Abhandlungen anstatt eingehende Befassung mit dem Einzelfall.
Vorallem das verkehrspsychologische Gutachten finde ich extrem frustierend, da dort ein Bild von meiner Person vermittelt wird, was fern ab der Realität ist.<br />Dazu kommt, dass in sämtlichen objektiven Laborproben keinerlei Hinweise auf einen regelmässigen Alkoholkonsum oder andere Substanzen gefunden wurden.
Ich habe nun schriftlich dem Strassenverkehrsamt meine Stellungnahme zugesendet und warte nun auf einen Antwort. Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins und das Warten macht mir Woche für Woche mehr zu schaffen, da ich immer noch nicht weiss wie lange die Entzugsdauer sein wird.
Gibt es bei solchen Gutachten überhaupt die Hoffnung, dass sich aufgrund der Stellungnahme noch etwas ändern kann?

3 Answers
Mike Staff answered 8 Monaten

Hallo Daniel
 
vielen Dank für ihren Beitrag. Es ist sehr schwierig, ihnen eine hilfreiche Antwort zu geben, ohne ihre Unterlagen und den genauen Ablauf zu kennen. Ich versuche aber dennoch ihnen ein paar Antworten / Hinweise zu geben. Für genauere Antworten macht es Sinn sich direkt an eine Suchtberatungsstelle zu wenden.
In der Verfügung des Strassenverkehrsamtes sollte die MIndestentzugsdauer genannt sein. Ein genaues Datum wird man ihnen nicht nennen (können), da eine Rückgabe ja davon abhängt, ob bzw. dass sie alle Auflagen erfüllen.
Da ihr Fehlverhalten ja „offiziell“ ist, weiss ich nicht, ob ihre Stellungnahme grossen Einfluss haben wird, ab er es macht sicher Sinn, dass sie diese geschickt haben. Das Strassenverkehrsamt stützt sich ganz stark auf die Gutachten – ob eher formelhaft oder „realitätsgerecht“ ist nicht wichtig – und es ist aus meiner Erfahrung sehr schwierig etwas dagegen zu halten.
Ich verstehe, dass ihnen das „Bild“ im Gutachten missfällt, aber es ist eben auch so, dass eine Autofahrt mit 1.7 Promille erstens extrem gefährlich ist – für sie und die anderen Verkehrsteilnehmer – zweitens kein Kavaliersdelikt darstellt und drittens auch dafür spricht, dass sie einen regelmässigen Alkoholkonsum haben. Sonst wären sie mit dieser hohen Promillezahl kaum fähig gewesen überhaupt ein Auto zu fahren. 
Für genauere Informationen müsste ich die Unterlagen sehen und mache ihnen deshalb Mut sich an eine Suchtberatungsstelle zu wenden, wir kennen uns mit dieser Thematik aus.
Liebe Grüsse
Mike 

Daniel answered 8 Monaten

Hallo Mike
Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Heute habe endlich die Stellungnahme auf meine Stellungnahme erhalten, leider mit dem erwarteten Ergebnis, dass die Gutachter nicht von ihrem ursprünglichen Ergebnis abgewichen sind. Ich muss mich also wohl oder übel damit abfinden, diese 12 Stunden Verkehrstherapie machen zu müssen.
Ich finde es aber nach wie vor schade, dass hier im Namen der Verkehrssicherheit quasi auf Vorrat solche Massnahmen ausgesprochen werden. Es ist in unserem Land offenbar so, dass jeder, der mit >1.6 noch ans Steuer sitzt kategorisch als Alkoholiker abgestempelt wird und man darf dann mit teuren Gutachten versuchen, die Behörden vom Gegenteil zu überzeugen, was wohl in vielen Fällen aussichtslos ist. Die ganze Sache mit der Stellungnahme war auch nur eine Alibi-Übung (welche auch noch 200.- gekostet hat), denn die Antwort der Gutachter waren grösstenteils Copy&Paste-Erklärungen mit 2 Sätzen Prosa am Schluss.
Aber es hilft nichts, sich noch weiter darüber Gedanken zu machen. Besser die Energie jetzt dafür einsetzen, um möglichst bald wieder auf dem Töff sitzen zu können….
Gruss
Dani

Mike Staff answered 8 Monaten

Hallo Daniel  
vielen Dank für dein Feedback. Ich kann zwar den Entscheid nicht ändern aber vielleicht einen Teil noch genauer erklären.
 
Es gibt in diesem Bereich zwei Definitionen von Abhängigkeit. Einerseits die Definition nach ICD-10 – eine Beschreibung findest du hier https://www.sucht.de/vom-genuss-zur-abhaengigkeit.html und eine „verkehrsmedizinische Definition“, welche sich aus dem Strassenverkehrsgesetz ableiten lässt.
Diese Definitionen sind nur bedingt miteinander deckungsgleich. Für die „Diagnose“ Abhängigkeit im Bereich Verkehr reicht es eigentlich schon aus, dass man Fahren und Trinken nicht trennen kann / will bzw. nicht getrennt hat. Wie im ersten Post gesagt, ist es natürlich schon so, dass wer mit 1.6 Promille noch Auto fährt / fahren kann sicherlich einen regelmässigen Konsum hat. Ob aber eine ICD-Diagnose tatsächlich gerechtfertigt ist eine ganz andere Frage.  
 
Liebe Grüsse
Mike