Alcorisk – Das Online-ForumKategorie: Fragen von Angehörigen, Freunden, ...Er macht gefährliche Dinge, wie kann ich ihn aufhalten?
Anna asked 2 Monaten ago

Seit ca. 5 Monaten wohne ich nun bei meinem Partner und habe ihn in diser Zeit ca. 3 Mal absolut Sturzbetrunken erlebt.
Er schafft es, in sehr kurzer Zeit, sehr viel Alkohol zu trinken. Dann macht er sehr unvernünftige Dinge.
Ich habe versucht ihn z.B. davon abzuhalten auf das Motorrad zu steigen, leider ohne Erfolg. In diesem Fall ging es noch gut aus.
Ich will mir aber nicht vorstellen, was hätte alles passieren können. Wäre etwas passiert, dann würde ich mir unendlich viele Vorwürfe machen, weil ich ihn nicht abhalten konnte.
Während des Diliriums allerdings, sagt er auch, ich hätte ihn aufhalten müssen.
Am nächsten Tag weiß er davon nichts mehr, weder von der Fahrt noch was er sonst gesagt oder gemacht hat.
Er schwört dann keinen Alkohol mehr anzufassen, usw.. Wer hier unterwegs ist kennt das bestimmt.
Vermutlich ist er noch nicht an dem Punkt, wo er damit aufhören wird. Aber was kann ich tun?
Davor, während und danach?
Viele Grüße
Anna

1 Answers
kathrin.kuhle Staff answered 2 Monaten

Liebe Anna, vielen Dank für Ihre Anfrage. Die Situation kennen viele Angehörige: der Betroffene hat zu viel getrunken, steigt ins Auto (oder aufs Motorrad) und lässt sich nicht davon abhalten, oder er tut im betrunkenen Zustand sonst etwas Gefährliches. Ich habe mich sogar schon einmal bei der Polizei erkundigt, ob man da als „Mitwissende“ etwas tun kann. Die Antwort der Polizei war, dass sie nicht nach jemandem fanden, der angetrunken fährt – er oder sie wird erwischt, oder auch nicht – oder es passiert etwas. Das ist sehr schwer auszuhalten, zeigt aber, dass die Verantwortung schlussendlich nicht bei Ihnen liegt, sondern bei ihm. Sie können ihn nicht daran hindern, loszufahren, wenn er nicht auf Sie hört. Sie können sich selbstverständlich weigern, zu ihm ins Auto zu steigen, oder wenn Sie gemeinsame Kinder hätten, könnten Sie sich weigern, ihm diese anzuvertrauen. Wenn er jedoch nichts ändern will im Moment, dann haben Sie leider schlechte Karten. Sie können ihn immer wieder darauf ansprechen, wie sehr Sie das belastet, dass Sie Angst haben, es könnte etwas passieren. Wenn er jedoch keinen Handlungsbedarf sieht, wird das so bleiben, bis etwas passiert. Oder bis Sie es nicht mehr aushalten, nicht mehr mitmachen. Sie sind nicht für ihn verantwortlich, aber für sich. Vielleicht stellt sich irgendwann die Frage, ob Sie weiter so mit ihm zusammenleben wollen, mit dieser ständigen Angst. Sie dürfen sich mit diesen Fragen gerne an eine Suchtberatungsstelle in Ihrer Region wenden. Die Beraterinnen und Berater sind auch für Angehörige da. Alles Gute!
Kathrin