Alcorisk – Das Online-ForumKategorie: Fragen von Angehörigen, Freunden, ...Dauerhaftes Trinken – aggressives Verhalten
Franzi asked 4 Wochen ago

Guten Tag, meine Tante trinkt nun seit 6 Monaten dauerhaft. Es gab ein paar wenige Tage, wo sie nüchtern war. Vor einigen Wochen, ist sie auch schon hingefallen und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Danach trank sie weiter. Sie ist aggressiv und in ihrem Suff sagt sie, wir sollen sie in Ruhe lassen, wir sind alle böse und wird beleidigend. Meine Tante ist 74 und trinkt seit sie 25 ist. Ich habe Angst, dass es demnächst ein Schlag tut. Wie kann ich ihr helfen? Ich möchte mich auch nicht ständig beleidigen lassen, speziell wenn ich sie auf Ihr Trinkverhalten anspreche. Kann ich ihr überhaupt helfen? Es scheint, als wenn sie überhaupt nicht mehr nüchtern wird.

1 Answers
Mike Staff answered 3 Wochen

Guten Tag Franzi
 
willkommen hier auf alcorisk. Letztlich werden sie ihrer Tante nur helfen können, wenn diese auch bereit ist Hilfe anzunehmen und etwas verändern zu wollen. So wie sie die Situation aber schildern, scheint der Alkoholkonsum quasi der „Lebensinhalt“ ihrer Tante geworden zu sein. Da ist es dann auch nicht verwunderlich, dass sie sich gegen jegliche „Einmischung“ – so empfindet sie das sehr wahrscheinlich – wehrt und beleidigend wird. Im Moment empfindet sie wohl jegliches Hilfsangebot als „Bedrohung“, denn man will ihr das Wichtigste (den Alkohol) wegnehmen.
Um eine Veränderung zu ermöglichen muss ihre Tante etwas finden, was ihr wichtiger ist als Alkohol, z.B. eine Aufgabe, welche ihr neuen Lebensmut, Sinn und Zweck gibt. Sie muss etwas finden, für das es sich lohnt den Alkohol aufzugeben. Oder wie es jemand mal formuliert hat: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ 
Solange sie das aber nicht sieht oder nicht hören will, ist eine Veränderung sehr schwierig und über Zwang funktioniert das nur selten. Auch der Krankenhausaufenthalt scheint ihr ja nicht gezeigt zu haben, welches Risiko sie mit ihrem Konsum eingeht. Vielleicht muss sie erst merken, dass sie ihre Selbständigkeit aufs Spiel setzt, bevor sie Unterstützung annimmt? 

Ich bin überzeugt, dass Veränderung auch in ihrem Alter noch möglich ist und Sinn macht, aber sie muss es wollen.
Liebe Grüsse
Mike