Gari asked 4 Monaten ago

Wir sind besorgt um unseren besten Freund. Er trinkt (unsere Meinung) zuviel! Beim einkaufen findet er ständig einen Vorwand auch gerade noch Bier zu kaufen, meistens 18er Pack 5dl Dosen. Wir vermuten nur dass er täglich trinkt aber sind uns sicher dass er mehrmals die Woche trinkt! Vorallem wenn wieder so ein Tag/Abend ist, merkt man es an den Whatsapp oder am nächsten Morgen weil er sich  dann bis Mittag nicht melden… Wenn er trinkt ist er nicht agressiv, er wird nur etwas lauter und meint manchmal komisches Zeugs, z.b. ein Lichtschalter ist plötzlich kaputt, ging aber vorher und nachher auch wieder…   Er war schon mal an dem Punkt und war dann in einer \“Kur\“ und hat danach nichts mehr getrunken. Nach ca. 1 Jahr hat er dann zwischendurch ein Alk-freies Bier getrunken, nach paar Monaten dann zwischendurch ein normales Bier, dann immer mehr und selten auch mal härteren Alk. Wir haben regelmässige Treffs im Freundeskreis und da trinkt er schon mal in 5 Stunden 6 Dosen Bier als einziger (wir trinken nicht) und wenn er dann später zuhause ist noch mehr. Er fragt auch immer obs Bier hat, bei derjenigen Person wo wir uns dann treffen, wenn nicht nimmt er mit. Langsam fängt er an, seine Wohnung und auch sich selber zu vernachlässigen. Wir wissen dass er viele Probleme hat, Jobverlust letztes Jahr, finanzielle Engpässe. Das sagt er auch selber. Aber grundsätzlich spricht er nicht über seine Ängste und Sorgen. Meine Kollegin und ich wissen nicht was wir tun können. Wir befürchten wenn wir ihn darauf ansprechen zieht er sich noch mehr in sein Schneckenhaus zurück und das möchten wir auf keinen Fall und ihm einfach jemand auf den \“Hals hetzen\“ wollen wir auch nicht. Wir sind etwas überfordert!! Was können wir tun?

1 Answers
Mike Staff answered 4 Monaten

Hallo Gari
vielen Dank für ihren Beitrag. Eine solche Situation ist immer schwierig und man fühlt sich schnell überfordert. Daher ist es immer sinnvoll, sich Unterstützung zu suchen – wie eben zum Beispiel hier.
So wie sie die Situation schildern, kann ich ihre Befürchtungen gut nachvollziehen. Es scheint leider so zu sein, dass der Alkohol immer mehr zum „Lebensmittelpunkt“  ihres Freundes wird. Das „ständige“ Organisieren von Alkohol und Sicherstellen, dass es auch Bier hat zeigt, wie wichtig ihm der Alkohol geworden ist und er sich einen gemütlichen Abend mit Freunden ohne „Stoff“ offensichtlich gar nicht mehr vorstellen kann.
Da ihr Freund „grundsätzlich“ nicht über seine Probleme spricht, ist es umso wichtiger, dass sie ihn darauf ansprechen. Logischerweise beinhaltet ein Ansprechen auch immer ein Risiko, aber das ist aus meiner Sicht immer besser als quasi „stillschweigend zuzustimmen“ und sein Schweigen, seine Geheimniskrämerei mitzutragen. Am Hilfreichsten ist es, wenn sie ihn auf ihre Beobachtungen ansprechen (Vernachlässigung, „Abtauchen“, „komisches Zeug“,…), denn es geht auf keinen Fall um eine „Gerichtsverhandlung“, bei der sie ihm irgendjemand „auf en Hals hetzen“. Es geht darum, dass er ihre Sorge, ihre Ängste und ihre Befürchtungen mitbekommt und merkt, dass er ihnen  wichtig ist und sie sich eine Veränderung wünschen.
Er soll merken, dass sie sich Sorgen machen, auch wenn er ihre Befürchtungen vielleicht einfach als „unbegründet“ abtut. Wie gesagt, es geht nicht darum ihn zu überzeugen, dass er ein Problem hat, sondern ihm klar zu machen, dass er Freunde hat, die sich um ihn sorgen und die eine Veränderung wünschen. Wenn er motiviert ist etwas zu ändern, dann macht es Sinn sich an eine entsprechende Fachstelle zu wenden. Sollte er aktuell nicht bereit sein etwas zu verändern, dann weiss er aber, dass er ihnen wichtig ist und seine Veränderungen sehr wohl bemerkt werden.
Ich mach ihnen also nochmals Mut, ihn darauf anzusprechen, damit das Alkoholproblem so „zur Sprache kommt“.
Viel Erfolg!
Mike