Alcorisk – Das Online-ForumKategorie: Fragen von BetroffenenAlle drei Tage trinken bis zur besinnungslosigkeit
Kathy asked 12 Monaten ago

Hallo.
Ich heisse Kathy und bin 36 Jahre alt. Ich trinke seit ca 10Jahren in unregelmässigen Abständen. Die Abstände wurden im letzten Jahr wieder kürzer und in letzter Zeit fast jeden dritten Tag. Niemand ausser meiner beiden ex partner wissen davon. Jahre lang habe ich es schön geredet und die Augen davor verschlossen aber das muss ein ende haben. Unbedingt! Meine Lebenssituation ist nicht einfach. Ich bin alleinerziehende Mutter und habe niemanden der uns unterstützt. Nach aussen wirkt immer alles schön aber die wahrheit kennt niemand. die letzte beziehung ging  deshalb auch in die brüche. Mein ex partner hatte mich dafür oft verurteilt und gedemütigt was es noch schlimmer machte und ich trank wieder. Es ist ein teufelskreis und ich möchte das WARUM verstehen und endlich schaffen mit dem trinken aufzuhören!!Iwenn ich alleine bin,gestresst ,meine gedanken kreisen etc gehe ich los und hole mir wein. Wenn ich einmal angefangen habe kann ich nicht mehr aufhören,egal wie sehr ich mir vorher geschworen habe aufzuhören! Wenn ich trinke dann sehr schnell und kann mich am nächsten tag an fast nichts erinnern. Am nächsten tag geht es mir sehr schlecht und die scham ist gross. Ich fühle mich derzeit wie ein mensch zweiter klasse und habe angst. Wo soll ich bloss ansetzen?? Ich hoffe mich hier austauschen zu können und bin über antworten sehr dankbar.

1 Answers
Antje.Mohn Staff answered 12 Monaten

Hallo Kathy
Ich heisse Antje und arbeite als Suchtberaterin an einer Beratungsstelle vom Blauen Kreuz. Ich finde es sehr mutig und toll, dass Sie sich hier gemeldet haben. Danke für Ihre Offenheit und Ehrlichkeit und Ihr Vertrauen in uns. Damit haben Sie bereits den ersten Schritt getan und das „Tabu“ gebrochen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Scham- und Schuldgefühle sehr gross sind. Oft sind vorallem Frauen über ihren heimlichen Konsum sehr verzweifelt. Als alleinerziehende Mutter, die niemand unterstützt sind Sie grossen Belastungen ausgesetzt, haben aber gleichzeitig auch eine sehr grosse Verantwortung. Da ist ein enormer Druck und Stress und, so wie Sie es ja auch selbst vermuten, hilft Ihnen der Alkohol dabei, diesen psychischen Druck zu verringern. Und dann ist er am nächsten Morgen doppelt so stark wieder da. Ich kann Ihre Angst verstehen. Aber vielleicht ist sie ja jetzt auch ein wichtiger Motor dafür, etwas verändern zu wollen. Sie müssen das nicht alleine schaffen. Ich möchte Ihnen empfehlen, sich Hilfe zu holen. Wenn Sie sich an eine Suchtberatungsstelle wenden, bekommen Sie Rat und Unterstützung, wie Sie vom Alkohol weg kommen können. Sucht ist eine Krankheit und daher kann auch eine medizinische Begleitung eine wichtige Unterstützung sein. Es gibt verschiedene ambulante und auch stationäre Thetrapieangebote. Wichtig ist es, den Weg zu finden, der zu Ihnen und zu Ihrer Situation passt. Welches der richtige Weg ist, das ist nicht immer leicht zu entscheiden. Daher ist es sinnvoll, sich an eine Beratungsstelle zu wenden. Ich weiss, dass dies für viele erst einmal eine grosse Hürde darstellt. Aber ich weiss auch, dass diejenigen, die diesen Schritt gemacht haben, eine enorme Entlastung erfahren und sehr froh und dankbar sind, dass sie diesen Schritt getan haben. Sie werden nicht für Ihr Verhalten verurteilt, Sie werden nicht wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt, Sie werden dort ernst genommen und mit Respekt und Achtung behandelt. Gemeinsam können Sie mit einer Fachperson nach einer Lösung suchen. Auch Ihr Kind oder Ihre Kinder werden sehr froh sein, wenn Sie sich Hilfe holen. Kinder spüren, dass etwas nicht stimmt und leiden oft mit, wenn ein Elternteil suchtkrank ist. Je nach Alter Ihres Kindes (Ihrer Kinder) ist es sinnvoll, mit Ihnen offen über das Problem zu sprechen und Ihnen dann auch mitzuteilen, dass man sich Hilfe holt. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen Kraft und auch den Mut, den es jetzt für die nächste Etappe braucht. Den ersten Schritt haben Sie hier gemacht und ich bin mir sicher, dass Sie es auch schaffen, weiter zu gehen. Alles Gute und einen lieben Gruss