Jentou asked 9 Monaten ago

Hallo, 
Unsere Mutter ist Alkoholikerin seit ich denken kann. Ich bin jetzt 41 Jahre und meine Schwester 43 Jahre. Sie trinkt regelmäßig um ihren Pegel zu halten. Vor ca. 5 Jahren war ihre Haut und Augen komplett gelb. Daraufhin habe ich sie gegen ihren Willen ins Krankenhaus gebracht. Nach dem stationären Aufenthalt kam sie 3 Monate in eine Therapie Einrichtung. Nach diesem ganzen Drama war sie ca. 1,5 Jahre trocken. Dann fing es langsam wieder an. Jetzt ist es noch schlimmer als vorher. Sie zittert die ganze Zeit. Erzählt alles mehrmals, kann sich nichts merken, isst kaum etwas. Das größte Problem ist unser Vater. Er meint, dass ist ihr Problem und er sieht nirgends Alkohol. Was einfach nicht sein kann. Meine Schwester und ich sind sehr verzweifelt. Wenn wir sie darauf ansprechen gibt es 2 verschiedene Reaktionen von ihr.
1.leugnen: Ich trinke nicht. Ich habe kein Problem.
2. Aggression. 
Müssen wir jetzt wirklich warten bis sie wieder komplett gelb ist oder schlimmeres, oder können wir was tun?

1 Answers
Antje.Mohn Staff answered 9 Monaten

Hallo Jentou
Ihre Situation hört sich sehr verzweifelt und schlimm an und ich kann gut nachfühlen, wie hilflos und ohnmächtig das Sie und Ihre Schwester macht. Sie haben bereits viel versucht, um Ihrer Mutter zu helfen und eine Zeit lang hat dies auch Erfolg gebracht. Es ist so traurig, dass dann das Trinken wieder angefangen hat und nun schlimmer ist als zuvor. Ihr Vater scheint sich ganz aus der „Affäre“ ziehen zu wollen, hat er sich an diesen Zustand gewöhnt? Weil er und Ihre Mutter nichts an Ihrer Lage ändern wollen, ist es wirklich sehr schwierig, etwas zu bewirken. Sie können Ihre Mutter zu nichts zwingen. Wenn sie selbst keinen Wunsch hat, etwas für sich zu tun, sind Ihnen die Hände gebunden. Es sei denn, der Zustand wird so bedrohlich, dass Sie den Notarzt (Notfallpsychiater) anrufen können. Meistens sind dies aber nur sehr kurzfristige Aktionen. Ich kann Ihnen daher leider nur raten, sich selbst Hilfe und Unterstützung in einer Suchtberatungsstelle zu holen und sich beraten zu lassen, wie sie selbst mit dem Umstand, dass Ihre Eltern nichts machen wollen, umgehen können. Wie können Sie sich gut abgrenzen und distanzieren, sich wieder mehr auf Ihr eigenes Leben konzentrieren, wieder Lebensfreude und Ihr eigenes Glück finden? Es ist nicht so leicht, einen Weg zu finden, bei dem der Alkohol nicht auch das Leben der Angehörigen ganz beherrscht und vergiftet. Daher  ist es gut, wenn man sich von aussen Rückhalt holt und sowohl Ermutigung als auch Stärkung erfährt. Suchtberatungsstellen sind immer auch für die Angehörigen da, heisst auch für die „erwachsenen Kinder“, die häufig extrem belastet sind, voller Sorgen und Ängste, aber auch Wut und Verzweiflung. Vielleicht hilft Ihnen eine professionelle Begleitung. Das wünsche ich Ihnen.